Eigentlich ist der Verfall der deutschen Sprache – und da schließe ich mich selbst nicht aus – weder neu noch sonderlich amüsant. Was aber das Heer von Spammern und Fishern an automatischen Übersetzungen so auf uns loslässt, bringt sogar Babel Fish zum Weinen und kann wirklich nur noch mit viel Humor ertragen werden. Oder anders gesagt: Wer aufgrund solcher Mails Betrügern vertrauliche Informationen anvertraut, sollte vielleicht sicherheitshalber für nicht geschäftsfähig erklärt werden.
Ihr Konto wird suspendiert werden!
Zugegeben, ein gewisses Mindestmaß an Intelligenz in Sachen Social Engineering muss man diesen Leuten schon unterstellen. Denn immerhin sollte man beim Fishen in so großen Pools wie Ebay bzw. Paypal doch den einen oder anderen Glückstreffer landen können. Aber auch wenn diverse Großunternehmen den deutschen Markt nur bedingt ernst nehmen, haben die Übersetzungen, so denn vorhanden, doch ein gewisses Niveau, welches man diesen Kandidaten dann doch deutlich absprechen muss.
Dafür ist der Unterhaltungswert natürlich auch höher. Beweise gefällig?
Gemäß PayPal Benutzer Abkommen und zu sichern, dass Ihr Konto nicht beeinträchtigt worden ist, greift auf zu Ihres zu Konto wurde begrenzt.
Ok, ok. Solche Fehler passieren in den besten Kreisen. Und irgendwie hat uns ja auch noch keiner gesagt, was eigentlich genau passiert ist. Das schreit nach weiteren, unverständlich aneinandergereihten Details:
Wir sind benachrichtigt worden Dass eine Karte, die mit Ihrem Konto verbunden wird als berichtet worden ist lost oder gestohlen, oder dass es zusätzliche Probleme mit Ihrer Karte gab.
Aha, jetzt sind wir natürlich viel schlauer. Es gab also Probleme mit unserer Kreditkarte – von uns auch liebevoll Pornoplastik genannt. Wie sollte es auch anders sein im Mutterland der Kreditkartennutzer? Die Aktion, zu der man uns nun verleiten möchte, wollte ich mir eigentlich sparen. Doch ausgerechnet an dieser Stelle haben die Fisher eine Wortschöpfung eingeflochten, die ich bisher beim besten Willen nicht wirklich zurückübersetzen konnte. Vorschläge werden dankend angenommen:
Fest zu bestätigen, dass Ihre PayPal Informationen bitte zum Aktualisierungsprofil Ihres PayPal oder Klickens auf dem Verbindungsblasebalg gehen:
Aber damit nicht genug. Der Absender zeigt sich durchaus weiter um uns und ein möglichst hohe, zumindest gefühlte, Authentizität bemüht. Denn die Fisher haben nützliche und auch noch unterhaltsamere Sicherheitstipps für uns.
Zu greift sicher und fest auf die PayPal Website oder Ihr Konto, offen ein neuer Web-Browser zu (E. g. Internet Explorer oder Netscape) und Typ in der PayPal URL (https://www.paypal.de/de/), sicher Sie zu sein, ist auf dem wirklichen PayPal Stelle.
Na, jetzt sollte aber doch alles ganz klar sein. Hätten wir schon früher so hilfreiche und leicht verständliche Tipps erhalten, wäre vermutlich nie auch nur ein einziger Mensch einem Fisher zum Opfer gefallen. Wirklich rührend, wie sich da um uns gekümmert wird. Paradox zugleich, dass die, zugegeben unter diesen Umständen etwas schwierige, Befolgung dieser Tipps tatsächlich zum Erfolg geführt hätte und uns eben nicht wie beabsichtigt auf paypol.nl gelockt hätte. Im Footer folgen die obligatorischen Hinweise:
Um E-Mailsnotifikationen in Standardtext statt HTML zu empfangen, aktualisieren Sie Ihre Vorzüge Hier.
Tja, wer möchte das nicht? Das Leben einiger Leute dreht sich immerhin fast ausschließlich darum die eigenen Vorzüge zu aktualisieren. Verlockendes Angebot somit, aber wir lehnen dann doch mal lieber dankend ab. Zugute halten muss man den Fishern allerdings, dass sie Standard nicht mit “t” am Ende geschrieben haben. Mit Blick auf den schon zu Beginn beklagten Sprachverfall hätte dies die Mail vermutlich eher authentischer gemacht. Dafür verbirgt sich im Absatz direkt davor ein Hinweis, dessen Befolgung angesichts solch grandiosen Unterhaltungswerts – bisher auch noch kostenlos – wirklich schwer fällt.
Bitte erwidern Sie zu dieser E-Mail nicht. Schicken Sie hat geschickt zu dieser Adresse kann nicht beantwortet werden ab.
Spätestens beim zweiten Satz sollte man eigentlich auch jede Hoffnung aufgegeben haben, dass auf der anderen Seite jemand sitzen würde, der in der Lage wäre, den Text einer möglichen Antwort zu verstehen. Zumindest nicht, sofern diese nicht vorher mindestens 8 mal mittels Babel Fish zwischen englisch und deutsch hin- und herübersetzt worden ist.
Ich für meinen Teil werde jetzt jedenfalls mal meinen Verbindungsblasebalg suchen gehen und mir überlegen, wie ich damit wohl am besten meine Vorzüge aktualisieren kann.
P.S.: Ja, mir ist klar, dass diese Mail schon vor einiger Zeit die Runde gemacht hat. Aber wenn wir uns als Ziel gesetzt hätten, hier nur absolut originelle und einzigartige Beiträge zu schreiben, würden wir jetzt noch über dem Konzept grübeln.
Update: Verbindungsblasebalg gefunden!
Beim Grübeln über ein anderes Thema hat mich doch grad die Erkenntnis wie der Schlag getroffen und ich präsentiere hier meine ulitmative Theorie zum Thema Verbindungsblasebalg: Wie wäre es denn mit “link below”, aus dem dann “link bellow” und schließlich der uns allen so ans Herz gewachsene Verbindungsblasebalg geworden ist? Manchmal hilft zweimal übersetzen eben doch.