Benutzerunterstützung im Bastelraum


Einige von uns können sich wahrscheinlich noch an die guten alten Zeiten erinnern, als die Welt noch nicht so schrecklich verwirrend war: Telefone wurden zum Telefonieren verwendet, MTV sendete noch Musik und überhaupt schien alles irgendwie stimmig. Jede Email war ein echtes Event, ein aufregendes Erlebnis und an sich schon eine furchtbar spannende Geschichte – weit entfernt vom bedeutungslosen Massenmedium. Und böses wollte einem da schon gar keiner.

Gone Phishing …

Als digitaler Bauernfänger geht einem dabei heutzutage ja auch manch dicker Brocken ins Netz. So zahlen einige von uns heute die Zeche dafür, dass die Industrie uns schon lange erzählt, wie einfach der Umgang mit Computer und Internet doch eigentlich ist (“Bin ich schon drin?”). Recht haben sie ja, doch auf den Umstand, dass auch ein gesundes Maß an Misstrauen oder schlicht eher zwischenmenschlicher Kompetenz bisweilen ratsam ist, wurden wir lange nicht so eindringlich aufmerksam gemacht. Aber selbst diese Lücke schließen die Phisher ganz einfach selbst. Der Transfer von Mustern aus dem englischen Sprachraum bzw. der amerikanischen Gesellschaft ist schließlich ganz einfach: Übersetzungprogramm von der Kette lassen und fertig ist das Netz für den dummen deutschen Internetnutzer.

Aufmerksamkeit! Wichtige Kommunikation …

Wer von uns hat nicht unlängst schon zahllose digitale Schreiben von seinem nicht vorhandenen Anwalt, der Bank, bei der man garantiert nicht ist, oder sonst einem einer bedeutenden Autorität gleichkommenden Absender erhalten. Dass man mit den Inhalten dieser Mails in vielen Fällen wohl höchstens einen Babelfish an Land zieht, ist kein wirkliches Geheimnis und so sorgen solche Mails zumindest bei mir wenigstens ab und an noch für ein wenig Kurzweil – beinahe schon wie zu den spannenden Zeiten von Email. So hatte dann auch wiedermal eine entsprechende Mail meine Aufmerksamkeit erweckt. Der Absender “Benutzerunterstutzung” hatte mich wieder aufhorchen lassen und vom sofortigen Löschen abgehalten. Und ich sollte nicht enttäuscht werden.

Die Regierung hat der Citibank die Vollmacht erteilt das Guthaben der Kunden auf Ein-Tages-Konten zu prufen.

Hmm, soweit dann doch irgendwie unspektakulär. Etwas merkwürdiges Deutsch ohne Umlaute und mit einem zumindest entfernt plausibel klingenden Szenario. Das ganze setzt sich dann auch noch eine Weile so fort, so dass ich die Hoffnung beinahe schon aufgegeben hätte. Aber wie so häufig bei diesen Mails kam der sprachliche Knüller erst zum Ende:

Geben Sie bitte keine Antwort auf sterben betreffende Mitteilung. E-Mail, gesandt ein Sterben betreffende Adresse, braucht keine Antwort.

Da kommen wir der Sache doch schon näher. Der Sinnlosigkeits- und Unverständlichkeitsfaktor schnellt gegen unendlich und die Lachmuskeln wärmen sich auf. Und während ich noch über den Sinn dieser beiden Sätzen, von denen letzterer ja geradezu nach einer wichtigen Grundregel im Umgang mit Emails klingt, nachgrübelte, gab mir der nächste und letzte Satz dann auch schon den Rest:

Um Hilfe zu leisten, gehen Sie ins System Ihres Kontos bei CitiBank ein und wahlen Sie Bastelraum Hinweis ?”Hilfe?” auf der beliebigen Seite aus.

Also wer jetzt nicht weiß, was zu tun ist, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Klarer kann eine Anweisung doch gar nicht formuliert sein. Man muss lediglich eingehen und dann auf einer beliebigen Seite, die zugleich eindeutig bestimmt ist, den Bastelraum Hinweis (könnte das womöglich ein Tooltip sein?) finden. Und dann kann man dort Hilfe leisten. Na wenn das nichts ist!

Ich gehe jetzt jedenfalls auch mal in meinen Bastelraum und schaue, ob ich nach dem Eingehen ins Schlummerland bei meinen Träumen irgendwie Hilfe leisten kann.

Was zu sagen?

Hey, das ist ein freies Land - meint man zumindest landläufig. Also immer fröhlich drauf los. Mehr als Löschen können wir auch nicht ...

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